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Hand, dasz Ausgang und Mitte beider Lie- j
der vollkommen identisch sind. Um so auf- !
fallender musz daher im magyarischen die
Abweichung in der Sehluszzeile erscheinen. \
Diese Pointe iu der magyarischen Überliefe- i
rung ist bei feinerer Ironie künstlerisch ent- j
schieden vollendeter, dabei das Ganze viel j
knapper, in acht kurzen Zeilen welch arti-
ges Genrebildchen ! Ob indessen die brei-
tere Fassung der czechischen Überliefe-
rung (bei geringerem Inhalte !) blosz Dan-
mer's übrigens meisterhafter Verdeut-
schung zuzuschreiben sei, darüber könnte
nur eine Vergleichung mit dem czechi-
schen Original entscheiden. So wie beide
Lieder jetzt vor uns liegen, musz man
die magyarische Fassung für die ursprüng-
liche halten. Andernfalls müsste man
meiner Überzeugung nach eine alte ver-
lorene oder verderbte slavische Quelle
annehmen, welche dann eben in unsrem
magyarischen Volkslied sich erhalten hätte.
Übrigens möge dahin gestellt bleiben, ob
sich Lieder verwandten Inhalts nicht auch
bei andren Völkern finden.
H. v. M.
Die verhängnissvollen Tränen.
Dramatisches
Gedicht
nach
dem
Japanischen.
Aus dem Origiualmanuscript der französischen freien Be-
arbeitung Charles Hamiltons verdeutscht von
Dr. L. Gedicke.*)
Personen :
Tsuridono, Tochter eines reichen Yeddoer Sei-
denhändlers.
Damino,
ihre Zofe.
Matsu,
Maler in Yeddo, Tsuridonos Geliebter.
Der Chinese, Diener eines Lord Warren.
Zwei Züge Fusiyama-Wallfahrer. Volk u. Kinder.
Landsitz im Dorf Odsi, nächst der kaiserlichen
Residenzstadt Yeddo (jetzt Tokio.; Anderthalb
Jahre vor Eröffnung der Wiener Weltausstellung.
r>en
ganzen Vorder- und Mittelgrand der Büh-
ne nimmt ein Gärtchen ein, welches im Mittel-
*) Wie man weisz, gibt es kein Culturvolk
auf Erden, dessen Litteratur derart unbekannt
gründe links von einem stilvollen Landhaus mit
heller geräumiger Veranda quer a/jointfilesconvert/464716/bgeschlossen wird
Ihr gegenüber erhebt sich im Vordergrande aus
einem Beei -eine auffallend grosse Gartenkugel.
Im Übrigen zeugt Alles von reichstem japanischen
Geschmack : Miniaturwasserfälle, Brücken im
Zick-Zack , Kioske und dgl. m. Ein zierliches
Bambusgitter, zum Teil von dichtem Gebüsch
verdeckt und mit einer Türe versehn, sperrt im
Hintergrund den Garten von dem anstossenden
Gässchen ab. Das Gässchen selbst umsäumt den
ganzen Garten in einem mäszigen Halbbo-
gen.
Auf der anderen Seite des Gässchens tie-
fer im Hintergrund erblicxt man das Nachbar-
haus,
ein teilweise stockhohes Gebäude, mit ei-
nem concentrisch laufenden Gärtchen. In der Per-
spektive ein japanisches
Dorf,
über welchem aus
weiter Entfernung eine Meeresbucht schimmert
und darüber der Gipfeides Fusi-Yama. Die Hand'
lung spielt abwechselnd in der wohleingerichte-
ten Veranda ui.d im Garten.
Erster Auftritt.
Tsuridono.
Später Dainino.
Tsurid.
(I™ Vordergrund aus dem llause tretend)
Blauer Himmel, goldne Sonne,
Welch ein Morgen voll von Wonne !
Heut bin ich allein im Haus.
Vater flog schon gestern aus.
Kaufgeschäfte, bunte Sorgen,
Halten ihn umstrickt bis Morgen.
Mutter fuhr nach Yeddo fort,
Auch die Brüder weilen dort,
Sind gefolgt dem Menschenwalle
Aus dem
Dorf.
Sie wollen alle
Schaun das Fest, das heut mit Pracht
Feirt der Kaiser bis zur Nacht
wäre,
als die japanische, welche selbst in den
modernen einschlägigen Werken, wie in dem aus
•
gezeichneten Bildersaale Schern, gar nicht ver-
treten ist. Namentlich wissen wir von japanischer
Poesie bislang nicht viel mehr, als was De Bomy's
vortreffliche Anthologie japonaise auf die Lyrik be-
schränkt bietet. Vorliegendes Stück ist unsres
Wissens der allererste (wenn auch leider, wie es
scheint, etwas zu sehr europäisierte) Versuch, ein
dramatisches Erzeugniss der japanischen Poesie
in eine europäische Sprache zu verpflanzen. Wir be-
schränken uns hier wie im Nachfolgenden nur
auf die notwendigsten Anmerkungen. •
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